Definition:
Akuter pectanginöser
Zustand in Ruhe, neu aufgetreten, entweder rezidivierend oder mit
einer Dauer von mehr als 15 Minuten
Druck und Schmerz
an Brust und Rücken, ausstrahlende Schmerzen in die Arme, in den Kiefer, in
den Bauch, Brennen hinter dem Sternum. Vegetative Begleiterscheinungen:
Schwitzen, Blässe, Kaltschweißigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Bradykardie,
Rhythmusstörungen anderer Art
A: Ärztliche Maßnahmen, ambulant:
-
Dezidierte Anamnese
-
Klinische Untersuchung, insbesondere
Auskultation, Perkussion, Palpation des Bauches und der peripheren Pulse
-
Erhebung des arteriellen Blutdrucks,
Manschette belassen
-
Regelmäßige Kontrolle der Herzfrequenz
-
Verabreichung von 2-3 Hub Nitroglycerin
sofern RR systolisch > 100 mm Hg
-
Legen eines venösen Zuganges, Anlage von
Ringer-Lösung
-
Intravenöse Verabreichung von 500mg
Acetylsalicylsäure (1Ampulle Aspisol), evtl. 1 Tablette Godamed lutschen
(rasche Resorption)
-
Intravenöse Gabe von 5000 Einheiten
Heparin
-
Intravenöse Verabreichung 10 mg Morphin
fraktioniert in 2 – 5 mg Portionen
-
Intravenöse Gabe von Diazepam (Valium)
oder Dormicum - fraktioniert in 2 – 5 mg Portionen (Vorsicht bei
Hypotonie)
-
Nasale Zufuhr von Sauerstoff, wenn
möglich
-
Herzmonitoring, wenn möglich 12 Kanal EKG
Streifen schreiben lassen
-
Defibrillator bereithalten
B: Detailliertere Ergänzungsdiagnostik in Praxis oder
Krankenhaus
-
Anfertigung eines 12 - Kanal - EKG´s
-
Bestimmung der CK und CKMB, des Troponin
und Myoglobin
Das klinische Gesamtbild ist entscheidend für die Diagnose, dies
Bild übertrifft in der Bedeutung der Bewertung die einzelnen eventuell negativen
EKG – und Laborparameter!!
C: Kriterien für die Verlegung zum Krankenhaus mit Katheterlabor:
-
Spricht das klinische Bild und/oder die
Befunde für instabile Angina pectoris oder Infarkt, oder ist eines oder sind
mehrere der aufgeführten Kriterien infarktpositiv, muss in Notarztbegleitung
der sofortige Start in eine Klinik mit Katheterlabor erfolgen,
gegebenenfalls ohne vorherige telefonische Voranmeldung.
-
Bei zu erwartender Fahrzeit von weniger als
30 min. wird der Patient versorgt wie unter1 – 15 ausgeführt. Bei zu
erwartender Fahrzeit von über 30 min. im Falle eindeutiger Infarktzeichen
Beginn einer Lyse: gegebenenfalls halbe Lyse Dosis + Gabe von GP IIb/IIIa –
Antagonisten. Bei nicht gesichertem Infarkt nur Gabe von GP IIb/IIIa
Antagonisten.
-
Die Übergabe des Patienten an die Klinik mit
Herzkatheterlabor muß vom Notarzt direkt an den dienstranghöchsten
diensthabenden Arzt erfolgen. Dies muß von der
Klinik sichergestellt werden!
-
Wenn bei Übergabe bereits der Infarkt
gesichert ist, muß die sofortige Verbringung des Patienten ins
Herzkatheterlabor gewährleistet sein.
-
Bei nicht absolut gesichertem Infarkt, d.h.
bei entsprechenden Beschwerden, bei instabiler Angina pectoris (Angina
pectoris vera) muß die kompakte Diagnostik bei gleichzeitiger Vorbereitung
des Katheterlabors in kurzer Zeit erfolgen. Zu dieser Diagnostik gehören.
·
Klinische Untersuchung, kurze
Anamneseergänzung, EKG (12 Ableitungen), Vergleich mit Vor – EKG vom Notarzt
mitgebracht, Röntgen Thorax, Echokardiographie, Laborparameterbestimmung (CK,
CKMB, Myoglobin, Troponin, übliche Akutlaborparameter.
-
Auch bei
fortbestehender klinischer Beschwerdesymptomatik = Angina pectoris vera (
weitere Herzmuskelzellen gehen zugrunde ) muß der sofortige diagnostische
Herzkatheter erfolgen.
D: Klinisches Management des Akuten Koronarsyndroms im
Katheterlabor:
1)
Absolute Präferenz hat
das klinische Bild für die Indikationsstellung
2)
Entscheidend ist:
Kurze „door to ballon time“ nach der Devise „time is muscle“
3)
Nach erfolgter
sofortiger Diagnostik bestehen folgende Optionen:
a)
PTCA und Stenting
des Infarkt - oder Stenose-Gefäßes – gegebenenfalls Bypass
b)
Sogenannte
„Zeitfensterregeln“ bei fortbestehenden Beschwerden immer ablehnen, eine
Rekanalisierung kann auch nach mehr als12 Stunden noch sinnvoll sein.
E: Regeln im Katheterlabor (HKL)
Vorraussetzung ist eine
umfassende Erfahrung des interventionell tätigen Kardiologen, die Verfügbarkeit
einer im HKL erfahrenen MT(R)A und möglichst die Anwesenheit eines zweiten
Arztes. Ein kontinuierliches Monitoring, eine komplette Notfallausrüstung und
eine Anästhesiebereitschaft sind erforderlich.
a)
Zugangsweg ist
i.d.R. die A. femoralis, eventuell auch die A. brachialis / radialis
b)
Erhebung des
kompletten Koronarstatus
c)
Darstellung der
Infarktarterie, mechanische Rekanalisierung mit Führungsdraht, anschließende
Dilatation. Großzügige Indikation zur Stentimplantation und GP IIb/IIIa –
Antagonisten.
d)
Dilatation weiterer
Gefäße nur bei fortbestehender hämodynamischer Instabilität, ansonsten im
Intervall (7 – 10 Tagen)
e)
Keine
Ventrikulographie (besser: LV – Darstellung mit Echokardiographie)
f)
Nur bei
Haupstammstenosen und komplexen Mehrgefäßerkrankungen akute Bypass OP erwägen
F: Komplikationen :
a) Akute Herzinsuffizienz –
Großflächiger ischämischer Herzmuskelausfall - Therapieoptionen:
Ø
Medikamentös: Katecholamine (Arterenol, Dopamin)
mit gesteuerter Infusion (Perfusor)
Ø
Mechanisch: Gegenpulsation.
b) Herzrhythmusstörung
Ø
AV – Block, Therapieoption: Atropin 1-4
Ampullen, Alupent, Adrenalin, passagerer Schrittmacher, externer
Klebeschrittmacher
Ø
Kammertachykardie, Therapieoptionen: R – Zacken
synchrone Kardioversion, Amiodaron, 1-2 Ampullen
Ø
Kammerflimmern, Therapieoptionen: sofortige
Defibrillation – mit halbautomatischen Geräten auch durch Laien
durchführbar. Wenn erster Schock nicht erfolgreich ist, Amiodaron, Schock
wiederholen [200 - 200 – 360 J (Ws)]
Dr. med. H. Horst, Ärztlicher
Kreisverband Neustadt/Aisch – Bad Windsheim, Uffenheimerstrasse 3,
91438 Bad Windsheim,
http://www.aekv-nea-bw.de
Dr. med.
W. Spitzer, Chefarzt der Inneren Klinik des
Kreiskrankenhauses Neustadt Aisch, Paracelsusstrasse 30, 91413 Neustadt/Aisch
Prof. Dr.
med. W. Voelker, Leitender Oberarzt der
Medizinischen Universitätsklinik Würzburg, Josef – Schneider – Strasse 2, 97080
Würzburg
Dr. med. Hans Neuser, Leitender
Oberarzt der Kardiologie der Klinik GmbH für Herz – und Gefäßkrankheiten Bad
Neustadt, Salzburger Leite 1, 97616 Bad Neustadt a. d. Saale